Auswärts in Zürich: FIFA go homo!*

In der größten & an Fußball-Titeln reichsten Stadt der Schweiz fand vom 04.-06.09.2015 das 17. internationale Netzwerktreffen der Queer Football Fanclubsstatt.
Neben den rund 80 Delegierten der LGBTFanclubs bereicherten Vertreter der QFF-Mitglieder „Fußballfans gegen Homophobie“ & FARE sowie von EGLSF oder des englischen LGBT-Bündnisses „Pride in Football“ die Konferenz mit perspektivischer Vielfalt und neuen Ideen.
Fortuna Düsseldorf wurde in diesem kopflastig kreativen Treiben durch WarmUp95, Gastgeber der QFF-Konferenz im Frühjahr 2015, und die Fan-Initiative „F95-Fans gegen Homophobie“ (#F95FgH) vertreten.

Anhang_2_Gruppenfoto_mit_Bannern_01 (2)
Foto: Letzi Junxx/Nandor Nagy

Aber nicht nur Fußballfans engagieren sich gegen Homophobie & Diskriminierung, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch in ihrem Grußwort betonte, werden auch in der Stadt Zürich Toleranz, Solidarität & Gleichberechtigung seit jeher groß geschrieben:

Homophobie, Rassismus, Gewalt und Respektlosigkeit haben weder
in den grossen Stadien noch an Freizeitturnieren Platz.
Genau dafür setzen Sie sich ein.
Ich unterstütze Sie dabei aus vollem Herzen und halte es mit dem ehemaligen argentinischen Fussballspieler und Nationaltrainer César Luis Menotti:
 Es ist komplett falsch zu glauben, Fussball müsse unpolitisch sein.
 Keine andere Sportart erreicht weltweit mehr Menschen.
 Wenn der Fussball mit seiner Popularität in der Gesellschaft eine          Veränderung zum Besseren bewirken kann, sollte er dies auch tun.

Der lokale LGBTI Fanclub des FC Zürich, die Letzi Junxx“, zeigte als Ausrichter schier unermüdliches Engagement und erwies sich als großartiger Gastgeber.
Wir wurden herzlichst empfangen und gekonnt durch ein toll organisiertes und vielfältiges Programm hofiert. Dank des großen persönlichen Einsatzes unserer Gast-geber wurde die Konferenz fast vollständig von großzügigen Unterstützern wie Stadt und Verein finanziert, so dass die internationalen Teilnehmer trotz bester Versorgung nicht unter den für sie im Vergleich inflationär hohen Preise in der Schweiz leiden mussten.
Merci & Chapeau!

Am Freitag ging es für die früh Angereisten nachmittags mit einer fußballbezogenen Stadt- und Stadionführung los, nach der sich im von Fans geführten Museum des FC Zürich zum geselligen Begrüßungsumtrunk und zünftigen Abendessen trafen.

  12015107_10206957229265118_6298273704103276452_o  11935118_10206957223304969_2255709372836775375_o  11922911_10206957220384896_1670238429658880691_o (1)
Fotos: Letzi Junxx / Nandor Nagy

Der 119-jährige Traditionsverein blickt auf eine bunte Historie voller Anekdoten zurück und kann sich eines eigenen Comics rühmen: Stan, der hooliganste Fan des FC Zürich.

20150904_18455420150904_18485820150905_005842
Fotos: Medienfreundin

Bei guter Stimmung & interessanten Gesprächen widmeten sich die Delegierten dem wichtigen sozialen Austausch und diskutierten fleißig bis in die frühen Morgenstunden.

Am Samstag öffnete der Weltfußballverband FIFA den QFF als erstem LGBT-Fanbündnis überhaupt seine Tore und nahm in Persona von CSR-Chef Frederico Addiechi & Gerd Dembowski, CSR-Programme Manager AntiDiskriminierung, aktiv an Konferenz, Diskussionen & Workshops teil. Beide gaben wertvolle Einblicke & Tipps, zeigten sich offen und aufgeschlossen für Anregungen wie konstruktive Kritik.

20150905_090658-1 20150905_091125 ?
Fotos: Medienfreundin

Gerd Dembowski bestätigte seine Einschätzungen vom Homophobie-Workshop des FSE-Kongresses #EFFC2015 & betonte die entscheidende Rolle des Austauschs von Informationen bzw. der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Stake-holdern, Multiplikatoren und Meinungsführern.

In den Workshops des QFF-Kongresses befassten sich die Teilnehmer & Delegierten der 24 deutschen, drei schweizer & des niederländischen Fanclubs v.a. mit Selbst- und Fremdbild der QFF, Vision und Expansion der internationalen Vernetzung. Ihre Botschaft an FIFA und Fußballwelt hielten sie in einer Kreativsession stilgerecht direkt auf Tapete fest, um sie durch das Gruppenfoto direkt medial zu transportieren.
Die demonstrative Außendarstellung mit vielen FIFA-kritischen Beiträgen über der FIFA wurde nicht nur vorbehaltlos genehmigt, sondern in den Workshops aktiv unterstützt.

20150905_105916  20150905_110435(0)  20150905_123122
Fotos: Medienfreundin

Der internationalen Arbeitsgruppe war es z.B. besonders wichtig, dass die FIFA „Social Fairplay“ in Zukunft stärker gewichtet & bei Entscheidungen zu einem der verpflichtenden Auswahlkriterien macht. In diesem Anliegen wurden sie von FIFA CSR-Chef Frederico Addiechi bestärkt, für den das „Social Fairplay“ laut eigener Aussage ein zunehmend wichtiger, zentraler Punkt der zukünftigen FIFA-Politik ist.

20150905_134437 20150905_135046
Fotos: Medienfreundin

Nur FIFA-Kommunikationschef Alexander Koch legte den Fokus seiner Rede auf „Eigenwerbung“ & sprach Arbeitgeber nebst allen dort beschäftigten Personen von jeder Verantwortung für den FIFA-Korruptionsskandal frei. Mit seiner kurzweiligen Erzählung hatte er die Lacher schnell auf seiner Seite und punktete beim Publikum vor allem mit gekonnt sympathisch wirkender Selbstironie. Selbstredend waren alle FIFA-Mitarbeiter nur ahnungslose Opfer krimineller Einzeltäter… ;)

?
Foto: Medienfreundin

Im Anschluss stellte Claudia Krobitzsch die vielfältigen LGBT-Aktivitäten des fare-Netzwerks im letzten Jahr vor, bei denen es auch mit „Fußballfans gegen Homophobie“ (#FFgH) kooperiert. Erfreulicher Weise wurde Fortuna dabei gleich zwei Mal als positives Beispiel für das vorbildliche Engagement genannt, besonderen Anklang hatte die letzte #F95 #RefugeesWelcome Aktion #HeimatFuerAlle gefunden.

20150905_14462720150905_162507
Fotos: Medienfreundin

Es folgte die Einladung von „Andersrum auf Schalke“ für die nächste QFF-Konferenz im Frühjahr 2016 in Gelsenkirchen, die vom Verein großzügig finanziert wird. Anfang des Jahres durften die Fans aus dem Pott bereits Gerald Asamoa als Unterstützer und Ehrenmitglied ihres Fanclubs willkommen heißen.

Das im Anschluss vorgestellte Präventionsprojekt „Fußball und Homosexualität in der Schweiz“ des schweizer Fußballverbands, welches die schweizerischen QFF-Fanclubs in Kooperation mit fare Schweiz entwickelt haben, zeigt auf beeindruckende Art und Weise, was für tolle Ergebnisse eine konstruktive Zusammenarbeit von Fan-Initiativen und Verbänden auf Augenhöhe liefern kann.

11229976_10206957284346495_1974869511254719315_o     11147577_10206957283986486_8804756795756383209_o
Foto: Letzi Junxx / Nandor Nagy

Der in Düsseldorf neu gewählte QFF-Sprecherrat hatte der Mitgliederversammlung bereits ebenfalls einiges zu berichten & stellte erste Ergebnisse der ebenfalls dort gegründeten Arbeitsgruppen vor. Die Mitglieder stimmten geschlossen für ein neues Logo und CD sowie das vorgestellte Relaunch-Konzept für Webseite & Forum. Die ab sofort (in den jeweiligen Vereinsfarben) erhältlichen QFF T-Shirts wurden ebenfalls mit viel Applaus begrüßt.

 12001044_10206957278466348_2243055661514350287_o  11046251_10206957274066238_1293532972311657401_o  _Sven & Christian 11951696_10206957273066213_2584965720683141675_o logo_qff  10608761_10206957286586551_9142995564609380128_o
Fotos: Letzi Junxx / Nandor Nagy

 In einer wegweisenden Grundsatzabstimmung über Wesen & Ausrichtung der QFF sahen sich die Delegierten ganz klar zuallererst und vor allem als aktive Fußballfans, deren Liebe zu ihrem Sport & Verein Basis & Motor all ihrer Aktivitäten ist.
D.h. auch wenn sich die QFF-Mitglieder natürlicher Weise stets gegen Homophobie und Diskriminierung einsetzen, verstehen sie sich nicht als LGBT-Aktivisten, die auch zum Fußball gehen, sondern als Fußballfans mit LGBT-Hintergrund.
Bei kritischen Fragen der Fanpolitik sehen sich die QFF solidarisch und ohne Sonderrolle Seite an Seite mit anderen großen Fanbündnissen und Initiativen, um gemeinsam für die Rechte aller Fußballfans und den Erhalt der Fankultur stark zu machen (#InDerSacheVereint!).

Abschließend überreichten die QFF Gerd Dembowski symbolisch einen offenen Brief an die Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA, in welchem die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar als Länder mit gesetzlich verankerter Diskriminierung und Strafverfolgung von Minderheiten scharf kritisiert.
Nur wenn die Einhaltung der Menschenrechte in Zukunft bei der Selektion der WM-Gastgeber zu einem verpflichtenden Vergabekriterium wird, kann die FIFA ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.

11953059_10200971700612547_2764393890512030792_n
Foto: Letzi Junxx/Nandor Nagy

*Dieser Artikel wurde zuerst in dem F95.Antirazzista Fanzine Kokolores veröffentlicht.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s